Josef Friedrich Jakobovits

Kaufmännischer Angestellter. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1916    † 1944

 

Lebenslauf

Josef Friedrich Jakobovits wurde am 31.3.1916 in Wien geboren. Er arbeitete als kaufmännischer Angestellter.

Aktivist der trotzkistischen Gruppe "Gegen den Strom"

Josef Friedrich Jakobovits war Aktivist der trotzkistischen Gruppe "Gegen den Strom".

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Am 2. 4. 1943 wurde Josef Friedrich Jakobovits verhaftet und am 10. 12. 1943 gemeinsam mit Franz Kascha (hingerichtet) zum Tode verurteilt. Am 13.3.1944 wurde er im Landesgericht I in Wien hingerichtet.

Aus dem Urteil

„Nach dem März 1938 beschränkte sich die kommunistische ’Linksopposition‘ zunächst darauf, die Verbindung unter den Mitgliedern aufrechtzuerhalten und über Politik zu diskutieren. Etwa im Frühjahr 1940 beschlossen die Angeklagten Jakobovits, Franz und Leopold Kascha, eine Flugschrift mit dem Titel »Gegen den Strom« herauszugeben (…) Die Artikel für die ersten 3 oder 4 Nummern der Flugschrift verfasste Jakobovits und Franz Kascha. (…) Zur Schulung der Mitglieder wurden von Jakobovits Zusammenkünfte und hier und da auch Ausflüge veranstaltet, bei denen die politische und wirtschaftliche Lage vom Standpunkt der Gruppe erörtert und die Kriegslage besprochen wurde. (…) In der Nummer 12 vom Juni/Juli 1942 steht dem Sinne nach u. a. der Antisemitismus sei für die nationalsozialistische Kapitalistenklasse nur ein Ausweg, um die Klassenfrage nicht lösen zu müssen. Der ­jüdische Kapitalist sei auch der Feind der revolutionären Arbeiterschaft, während der jüdische Proletarier ihr Klassengenosse sei und der jüdische Kleinbürger für die IV. Internationale zu gewinnen sei. Deshalb müsse der Antisemitismus und die von Hitler in Europa geplante Ausrottung der Juden bekämpft werden, weil die gegen das Selbstbestimmungsrecht der Völker verstießen.“

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Gedenkort - Gruppe 40, Zentralfriedhof

In der Gruppe 40 wurden die im Wiener Landesgericht Hingerichteten beerdigt. 2013 wurde die Gruppe 40 zur Nationalen Gedenkstätte erklärt.

Quellen und Bildnachweise

  • Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Porträtbild: Willi Weinert oder Wiener Stern Verlag
  • Bild Fallbeil/Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Andere Bildrechte: Angabe bei Anklicken des Bildes (Bildinformation)
  • Andere Bilder: Privatbesitz oder Verein Zur Erinnerung

Porträt erstellt von Jürgen Heimlich, Verein Zur Erinnerung, auf Basis der angegebenen Quellen.

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit, Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“, Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

Web-Hinweise


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